Manchmal kommt es einem so vor, als ob für den Beruf eines IT-Lehrers der MS-Word-Grundkurs genügen würde und auch in anderen Fächern nicht wirklich viel Grundlagenwissen während des Studiums vermittelt wird. Ok, man verlangt ja nun nicht von einem Geschichtslehrer ein abgeschlossenes Zusatzstudium als Paläontologe und der Fachlehrer für Geographie muss nun auch nicht unbedingt ehemaliger Weltreisender gewesen sein, doch manchmal fragt man sich, was Lehrkräfte in Deutschland eigentlich so vermitteln möchten. Oder wird man nach einer Zeit nur noch Betriebsblind?
Digitale Klassenzimmer und Lehrer in vielen Fachbereichen überfordert
Gut, von digitalen Klassenzimmern sind die Lehrer in Deutschland noch überwiegend befreit. Ein Glück eigentlich, ist doch zu vermuten, dass viele der Lehrkräfte mit der Technik gar nicht umgehen könnten. Die Vorzeigeklassen, die es fast in jeder Stadt gibt, nutzen die gegebene Technik nicht oder nicht in dem Maße der Möglichkeiten. Wir haben uns bei Schülern aus verschiedenen Schulen und Klassenstufen umgehört und kamen zu der Erkenntnis, dass der Grund für die schlechten bzw. eher Mittelmäßigen Ergebnisse bei den Pisa-Studien auch bei den Lehrern zu suchen ist.
Wie sieht das Digitale Klassenzimmer eigentlich aus?
Die Theorie
Man könnte es sich so vorstellen.
- Die Tafel bleibt, wird aber kleiner.
- Ein Wandbereich wird mit Präsentationen und Ausarbeitungen von einen fest installierten Beamer angestrahlt.
- Der Lehrer besitzt von allen Schülern eine entsprechende Mailadresse für die Zusendung der Aufgaben und Unterlagen und letztere holen sich diese zu Hause oder direkt in der Schule auf das Tablett-PC wie iPad oder WePad. Ja, wir wissen. Eines davon kam gerade erst heraus und das deutsche Pendant dazu kommt erst irgendwann im Sommer. Aber es gäbe ja auch noch preiswerte Notebooks.
- Hausaufgaben der einzelnen Klassenstufen werden über die Schulhomepage veröffentlicht und stehen zum Download bereit.
- Die Rückgabe der Aufgaben erfolgt ebenfalls komplett digital. Es wird eine Menge Papier gespart und bei speziellen Fragen wird die führende Suchmaschine Live im Unterricht befragt und die Ergebnisse in die Präsentation eingearbeitet.
Die Praxis
- Der Lehrer hat eine Mailadresse über seinen Online-Provider, diese ist aber privat und wird auch sonst nicht genutzt. Im schlimmsten Fall besitzt der Lehrer zu Hause gar keinen Online-Anschluss.
- Eine alternative Mailadresse über die Webseite der Schule kann nicht eingerichtet werden, da der Webmaster der Seite schon vor Jahren das Passwort vergessen hat. Zudem sieht die Webseite katastrophal aus und wird seit Ewigkeiten nicht aktualisiert.
- Der Lehrer hat keinen eigenen Laptop und hat auch mit Beamern, DVD-Playern und sonstigem Gerät so seine Schwierigkeiten. Einzig die Uralt-Folien für den Polylux werden verwendet.
- Wovon die Rede ist, wenn sich die Schüler von M’s, Mails, Simsen und Tweets unterhalten weiß er nicht und hat kein Interesse es zu wissen oder sieht keinen tieferen Sinn in Onlinekommunikation.
- Hausaufgaben im Englischunterricht werden von den Schülern durch den Google-Übersetzer gejagt und abgegeben. Natürlich bemerkt es der Lehrer nicht und bewertet die Arbeiten entsprechend.
- Die Schüler suchen sich die Hausaufgaben, wenn denn möglich, direkt im Netz und auch ganze Aufsätze werden direkt im Past-and-Copy-Verfahren eingereicht.
Spinnerei? Keineswegs. Es ist tatsächlich zu 90% der Fälle so und nicht anders.
Die Praxis ist eigentlich auch noch viel härter. Studenten der Grundschullehrämter absolvieren in vielen Fällen nur eine abgespeckte Ausbildung und die Studie TEDS-M ermittelte kürlich, dass Fach- und Didaktikkompetenzen von 20.000, in den Schuldienst eingetretenen Lehrern, mieserabel sind.
Dabei wurde allerdings auch deutlich, wer ein spezielles Fach studiert hat (beispielsweise Mathematik) glänzt hierdrin und holte so viel für diejenigen, die es nicht haben, wieder heraus. Allerdings gibt es auch das übliche Klassenlehrermodell in Deutschland, wobei dieser das Hauptfach Mathematik unterrichtet, ohne jemals mehr als 10 Mathevorlesungen besucht zu haben. Diese Lehrer hängen natürlich dann im Fachbereich entsprechend weit zurück.
Mathematik gilt als Schlüsselkompetenz für die Berufswahl und die spätere Karriere. Wer da einen Lehrer hat, der sich den Dreisatz jedesmal neu ansehen muss um ihn den Schülern auch lehren zu können, hat schon mal ganz schlechte Karten. Wenn der Schüler es dann nicht gleich auf Anhieb versteht ist es mit den binomischen Formeln und anderen Sachen in Punkto Mathematik bald vorbei. Zudem ist Deutschland Spitzenreiter beim Alter der Mathelehrer. Hier liegt die Quote deutlich über 50+. Die schlechteren Arbeitsbedingungen in den Schulen der neuen Bundesländer sorgen zusätzlich für eine verstärkte vergreisung. Wer ein Lehramt (zum Beispiel in der Uni Greifswald) studiert, wird einen Teufel tun, nach dem Studium zu den Konditionen des Landes Mecklenburg-Vorpommerns zu arbeiten. Fertige Lehrer wandern fast sofort nach Studienabschluß in die alten Bundesländer, wo schon die Einstiegsgehälter deutlich über Osttarif liegen. Wenn dann auch noch, wie in einigen anderen Bundesländern, eine Verbeamtung winkt, ist auch der letzte Frischling weg aus den Schulen verschwunden.
Viele Schulen verzichten allerdings auch schon auf das “Beamtenmodell” und bezahlen Lehrer nach Leistung. Das Privileg eines Beamten würde die Leistung bremsen und Lehrer mit Erfolgshonorar deutlich mehr erreichen können. Aktuell laufen in ganz Deutschland Initiativen, die Schulen zum Zwecke der Qualitätsverbesserung selbsständiger arbeiten zu lassen. Schulen wüssten am besten, wofür sie Geld bräuchten.
Es wird zunehmend ein Finanzbugdget für Schulen geben, welches genau nach eigenen Vorstellungen der Rektoren und Direktoren verwendet werden könnte. Hier wird der Direx dann zum Geschäftsführer und Firmenchef. Zusätzlich sollten Unternehmen stärker ins Boot geholt werden. Diese sollten Finanzmittel zur Verfügung stellen, die die Defizite bei Ausstattung der Schule beseitigen können und die Startbedingungen für Schüler in das Berufsleben erleichtern.
Bleibt Hoffnung, dass sich in den Schulen schnellstmöglich einiges ändert.
Die Redaktion
//O.F.

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